Volkskunst
Handgefertigte Objekte aus volkskünstlerischer Tradition, oft regional oder kulturell verwurzelt. Zeigt, wie tief die Schildkröte als Motiv in vielen Kulturen verankert ist.
303 SammelobjekteMarteniza, gehäkelt von einer alten bulgarischen Bäuerin, Größe ca. 10 cm (ohne Bändchen). Es ist ein Talisman für Gesundheit und langes Leben, in verschiedenen Formen und Materialien (hier Textilien), aber stets rot und weiß. Die Farben stehen für rote Wangen und weißes Haar (hohes Alter). Es ist zugleich Symbol des kommenden Frühlings. Erwachsene, Kinder und sogar Haustiere werden immer Anfang März mit Martenici beschenkt. Ein uralter Brauch, den nun Reinhild Gerum für mich fortgesetzt hat.
Oblast Sofia-Stadt, Bulgarien
Kleine Töpferarbeit, mit der Flagge Kubas handbemalt, ca. 7 cm. Das Souvenir hat mir die befreundete Künstlerin Reinhild Gerum von dort mitgebracht.
Kuba
Hocker eines Schamanen aus Ostnepal, handgeschnitzt und graviert, alt, 37 cm lang.
Provinz Nr. 1, Nepal
Mola, Unikat, in traditioneller Nähart mit kunstvollen Applikationen von Frauen der Kuna hergestellt (ursprünglich aus der Körperbemalung abgeleitet). Die Mola wird als Teil ihrer Tracht auf Vorder- und Rückseite der Blusen getragen. Das Motiv Schildkröte, in erstaunlicher Stilisierung, spielt in der Vorstellungswelt der Kuna eine besondere Rolle und steht für Fruchtbarkeit, Wachstum, Kraft und Schutz. Das Volk lebt auf den San Blas Inseln, die zu Panama gehören, es gilt das Matriarchat (auch ihre Götter sind weiblich), Größe 30 x 25 cm, siehe zwei verwandte Stücke ("Suche : Mola"), die zusammen zu den interessantesten Textilien (wie auch z.B. Anna Huttner) der Sammlung gehören.
Guna Yala, Panama
Diese Mola (Unikat) ist zwar in der traditionellen Nähkunst (Applikationstechnik, Baumwolle) der Frauen gefertigt, dient hier aber als Kissenbezug, Maße 45 x 45 cm. Es gibt noch zwei gute Gegenstücke ("Suche : Mola"). Die Ethnie der Kuna (Panama) lebt meist in großen Familien eng zusammen. Es besteht die Gefahr, dass ihre Kultur schwindet.
Provincia de Panamá, Panama
Schlichte Mola (Kleidungsteil), Unikat, von Frauen der Kuna (Panama) hergestellt, Größe 40 x 30 cm. Das Motiv ist erstaunlich gut abstrahiert. Die Frauen drücken mit ihrer Kleidung sowohl Kreativität als auch Identität aus (siehe zwei vergleichbare Stücke). Die kleine Ethnie umfasst ca. 30.000 Menschen. In den beliebten Tiermotiven findet sich ein natürlicher Ausdruck für Artenschutz.
Provincia de Panamá, Panama
Ausschnitt zu der indianischen Skulptur der Hopi (Pueblo-Kultur, USA), weil hier die stilisierten Motive von Indianer, Schildkröte und Regentropfen besser zur Geltung kommen.
Calvin Pavatea
Neumexiko, Vereinigte Staaten von Amerika
Indianischer Korb der Hopi III, Mesa, Pueblo-Kultur (USA) eine sorgfältige Flechtarbeit aus dünner Weide (ca. 1940), mit Naturfarben gefärbt, Durchmesser ca. 26 cm. Diese kunstvolle Handarbeit hat mir Antonio Ferretti in Nordamerika beschafft.
Colorado, Vereinigte Staaten von Amerika
Hocker, Kunsthandwerk des Volks der Ngombe (Kongo/Afrika), Tropenholz (um 1950, schöne Patina), mit ca. 1.000 Polsterziernägeln besetzt, Größe 29 x 26 cm. Diese Sitze bezeugten den Status der Eigentümer. Interessant ist zudem ein Vergleich mit gepunkteten Ziernarben (Skarifizierung, eine tief verankerte Tradition unterschiedlicher Völker) auf der Haut dieser Ethnie, aber auch bei den Luba (ebenfalls weitgehend aus dem Kongo), dort kommen Punktmuster teilweise am ganzen Körper vor.
Mongala, Demokratische Republik Kongo
Kleine Keramikskulptur, handgetöpfert und hübsch bemalt, sign. G.R., aus Mexiko, mit beweglichem Kopf, Größe 12 cm. Dies ist überhaupt das erste, 1966 selbst gekaufte Stück, aus dem kleinen Indio Basar von Brigitte Dobisch (den man heute als Dritte-Welt-Laden bezeichnen würde) in Würzburg. Es war als gelegentliches Mitbringsel gedacht, im Bücherregal "zwischengelagert", wurde dann aber nie verschenkt, d.h. die gesamte Sammlung ist zunächst zufällig entstanden. Der Kreis schloß sich viele Jahre später über den Kauf eines kleinen Seidenteppichs (mit dem Motiv "Der Schildkrötenerzieher", nach einem Gemälde von Osman Hamdi Bey), weitere Infos sind unter " Suche : Dobisch " zu finden.
Mexiko-Stadt, Mexiko
"Der Schildkrötenerzieher"
Seidenteppich, sehr fein von Hand geknüpft (324 Knoten pro qcm), Werkstatt Ösipek in Herek (Türkei, Westanatolien), sign., Format 48 x 27 cm. Das Motiv "Der Schildkrötenerzieher" (hier mit 4 kleinen Schildkröten) bezieht sich auf das berühmte Gemälde von Osman Hamdi Bey (1842 - 1910), u.a. Maler und erfolgreicher Archäologe. Es gilt als sein bedeutendstes Werk, entstanden 1906. Weltweit bekannt wurde das Ölbild 2004 durch den Auktionsrekord von 3,5 Mio US-$, erworben für das Pera Museum in Istanbul. Seither gibt es divergierenden Interpretationen des Werkes und zahllose Souvenirs dazu. So gibt es das Motiv in der Sammlung noch aus acht Magneten (puzzleartig zusammengesetzt), in Reproduktionen und auf der Eintrittskarte des Museums. Um das Motiv vergleichen zu können, ist ein Foto des oben genannten Gemäldes in der Sammlung zu finden ("Suche : Osman"). Vermittelt wurde der Teppich von Brigitte Dobisch (Würzburg). Bei ihr erwarb ich auch das erste Objekt der ganzen Sammlung, eine handgetöpferte Schildkröte aus Mexiko.
Türkei
Objekt aus Ton, naturbelassen, aus der Blütezeit der Maya um ca. 700 nach Chr., Größe 11,5 cm, auf kleinem Holzsockel, Zuschlag Auktion Gorny & Mosch, München, Provenienz ex Süddeutsche Sammlung U.H., mit Thermolumineszenz-Gutachten (Ralf Kotalla, Labor für Fälschungserkennung). Die Schrift der Maya ist trotz Fortschritten bis heute nicht vollständig entschlüsselt. Es gibt u.a. Zeichen, die sich als Schildkröte interpretieren lassen.
Nuevo León, Mexiko
Kupferplatte aus Tibet, getrieben, mit schöner Patina, um 1900, Größe 15,8 x 18,5 cm. Das Hauptmotiv (mit Tierkreiszeichen / Kalender) ergibt eine stilisierte Schildkröte. Daneben weitere Symbole wie eine buddhistische Gottheit (oben, von Sonne und Mond flankiert), 4 sehr kleine Schildkröten (in der Umrandung) sowie eine Schildkröte mit drachenähnlichem Kopf (unten links) und eingeprägten Schriftzeichen.
Tibet, China
Messingguss, Indien, die Schildkröte trägt ein Duftschälchen, an dem drei Glöckchen hängen. Im Boden sind die Zahlen von 1 - 9 so angeordnet, dass sich horizontal und vertikal addiert immer die Quersumme 15 ergibt, Größe 23 cm.
Indien
Schöner Messing-Guss, Indien, auf dem Kopf eine Sonne, Größe 24 cm.
Madhya Pradesh, Indien
Bronze aus Indien, patiniert, mit zwei aufgerichteten Schlangen, Größe 16 cm.
Odisha, Indien
Bronzeguss, Indien, im Boden mit durchbrochenen Kringeln, Größe 10,7 cm.
Madhya Pradesh, Indien
Kunsthandwerk aus Indien, massives Messing-Objekt, wurde evtl. als Tischklingel benutzt, Kopf und Schwanz lassen sich bewegen, Größe ca. 27 cm.
Gujarat, Indien
Dose aus Indien (Kaschmir), Pappmasché, Lack, handbemalt, ca. 15 cm. Es ist interessant, dass sich die Motive nach möglichen Bedürfnissen des deutschen Marktes orientieren, innen traditionell schwarz lackiert.
Jammu und Kaschmir, Indien
Schildkröte aus Pappmaché, Indien, mit kreisförmigen Vertiefungen, handbemalt, Länge 20 cm.
Madhya Pradesh, Indien
Die Objekte aus Indien, mit den Materialien Holz, Naturstein und Onyx, sind so geschickt durchbrochen, dass im Inneren eine weitere Schildkröte herausgearbeitet werden konnte.
Telangana, Indien
Dose aus Kaschmir (Indien), Pappmaché, handbemalt und mit Lack überzogen, Größe 13 cm.
Jammu und Kaschmir, Indien
Solider Bronzeguß aus Indien, mit ungewöhnlichen Panzerstrukturen. Die ca. 130 kleinen Knuppeln sollen der Massage gedient haben, sie weisen Gebrauchsspuren auf, Größe 18 cm.
Haryana, Indien
Massiver Messingguß aus Indien, die Gravur ist beidseitig graphitfarben unterlegt, Größe 12,5 cm.
Indien