Anatol Donkan
Sammelobjekte
2 EinträgeAuftragsarbeit, Skulptur aus Buchenholz, das Segel aus starkem Störleder (Fischhaut), mit seinem besonderen Signum im Boden, 2024, Länge 55 cm, Breite 50 cm, Höhe 48 cm. Die an eine Meeresschildkröte erinnernde Form des Schiffes (s. stromlinienförmig angelegte Flossen und blau eingelegte Augen aus kleinen Perlen) ist auf meinen Wunsch entstanden. Im arktischen Lebensraum seines Volkes gibt es diese Tierart nicht. Vorbild war sein größeres "Geisterboot", handgeschnitzt, das Segel aus Lachsleder genäht. Der Nanaj-Künstler lebt seit 2005 in Viechtach (Bayer. Wald). Die kleine Ethnie (ca. 12.000 Menschen) ist am Unterlauf des Amur (im Fernen Osten Russlands) beheimatet (ca. 5.000 leben in China). Eine wichtige Rolle im Weltbild spielen dort bis heute das Schamenentum sowie Vorstellungen von Naturgeistern, mit denen man sich gut zu stellen hat. Er arbeitete zunächst als Steuermann bei der Fischereiflotte bevor er ein Kunststudium an der Universität in Chabarovsk aufnahm. Thema seiner Abschlußarbeit: "Kultfiguren der Schamanen am Amur". Dies wurde überhaupt erst durch die Perestroika-Jahre möglich, anschließend versuchten russische Behörden seine Arbeiten zu behindern, was sich in den Putin-Jahren verschärfte. Deshalb kam er schließlich über Österreich nach Deutschland. Hier stellt er aber z.B. auch Kleidungsstücke und Designobjekte aus Fischleder her. Zu den wichtigsten Ausstellungen zählen Tokio, das Linden-Museum Stuttgart (2009), das Russische Ethnografische Museum in St. Petersburg (2020) und Schloss Moyland, dort unter dem Titel: "Joseph Beuys und die Schamanen" (2021). Dazu gibt es einen wunderbaren Katalog, herausgegeben von der Stiftung Museum Schloss Moyland, 343 Seiten, wobei hier die schamanischen Elemente in Beuys Werk im Vordergrund stehen. Darin vertreten sind aber u.a. auch bedeutende Werke von Anatol Donkan (in seinem Teil für mich sign.), und zwar eine ganze Reihe von "Reisenden Geistern", eine vogelartige Installation "Kori" (ca. 7 Meter groß) und ein sehr künstlerisch gestalteter "Schamanenkaftan" mit einem ungewöhnlichem Gürtel (aus Fischleder, reich verziert, mit 9 anhängenden Beutelchen, an denen wiederum 9 Metallglöckchen hängen). Außerdem sind schamanische Skulpturen aus seiner großen Sammlung abgebildet (z.B. Familiengeister, Jagdhelfer und Bären, teilweise schon ab 1850 entstanden). Seine Arbeit ist eine sehr interessante Bereicherung meiner Sammlung, die Übergabe erfolgte in Viechtach. Dort unterhält er neben seinem Atelier das "Fischledermuseum Viechtach e.V.", mit dem Ziel "Fischleder als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe zu etablieren". Zu sehen sind u.a. Geisterfiguren, Trommeln, Amulette und Kleidung (mit Stickornamenten aus Lachsleder), aber auch Geräte und Werkzeuge.
Bayern, Deutschland
Nach einem ausgiebigen Gespräch im Atelier des Künstlers (aus der Ethnie der Nanaj) in Viechtach, wurde mit dieser Skizze (sign.) und per Handschlag der besondere Arbeitsauftrag besiegelt. Ziel ist die bildhauerische Gestaltung eines Schildkröten-Schiffes (Holz), mit einem Segel aus selbstgegerbtem Fischleder (Stör).
Bayern, Deutschland